22.05.2012
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Verhandlungsergebnis für IG Metall-Sozialtarifvertrag
Arbeitskampf Autoliv / Norma

Autoliv/Norma: IG Metall erzielt Teilerfolg nach Werkstorbesetzung und Warnstreiks: Verhandlungsergebnis für IG Metall-Sozialtarifvertrag

Autoliv muss Werksschließungen hinausschieben  – kein Norma-Beschäftigter wird vor 2014 arbeitslos – IG Metall-Sozialtarifvertrag sichert gute sozialverträgliche Lösung und Besservereinbarung für Leiharbeitskräfte und Equal-Pay für die LeiharbeitnehmerInnen

Am Wochenende konnte die IG Metall in langen und zähen Verhandlungen in Pinneberg mit dem Autoliv-Konzern und der Geschäftsführung der Tochterfirma NORMA ein Verhandlungsergebnis für Eckpunkte eines IG Metall-Sozialtarifvertrages nach der Werkstorbesetzung der Konzernzentrale und den massiven Warnstreiks der letzten Woche durchsetzen. Damit kann möglicherweise ein langer Arbeitskampf bei dem Automobilzulieferer in Norderstedt und Rellingen, der mit Unterstützungsstreiks nach Angaben der IG Metall direkte Auswirkungen auf den Autoliv-Konzern und die Endproduzenten wie VW, Daimler und BMW gehabt hätte, vermieden werden.

 

„Zunächst konnten wir erreichen, dass der Autoliv-Konzern den Schließungsbeschluss zum März 2012 zurücknimmt. Mit dem IG Metall-Sozialtarifvertrag wird ein Beendigungsverbot der Arbeitsverhältnisse vor dem 31.12.2012 vereinbart, so dass unsere Mitglieder bis dahin von Autoliv vollständig bezahlt werden müssen. Danach wird es eine TransferPLUS-Lösung geben und den Mitgliedern der IG Metall zur Vermeidung betriebsbedingter Kündigungen der Wechsel für 12 Monate in eine Transfergesellschaft angeboten werden.“ IG Metall-Verhandlungsführer Uwe Zabel sieht diesen Teilerfolg als Ergebnis der breiten Solidarität der Beschäftigten und der Unterstützung der Belegschaften von Autoliv und Volkswagen. Den Konzernbeschluss ganz zu verhindern, konnten wir nicht durchsetzen, da weder IG Metall noch Betriebrat wirtschaftliche Mitbestimmung bei diesen – wenn auch falschen – Unternehmens- und Konzernentscheidungen haben. Es wird dringend Zeit, dass diesen Global-Playern gesetzliche Schranken gesetzt werden, wenn sie zur Profitmaximierung Arbeitsplätze vernichten! Mit dem IG Metall-Sozialtarifvertrag konnten wir dies nur erheblich hinausschieben und unseren Kolleginnen und Kollegen Arbeit und Einkommen sichern und die unternehmerische Maßnahme sozialverträglich gestalten. Dazu gehört auch eine zusätzliche tarifliche Entgelterhöhung von rund 10 % und eine weitere Leistungsprämie von rund € 225,00 pro Monat für die Bereitschaft der Belegschaft, die Verlagerungen der Maschinen nicht weiter aktiv zu behindern. Die IG Metall-Mitglieder bekommen darüber hinaus zusätzlich zu der guten Abfindung noch eine kleine Bonuszahlung nur für IG Metall Mitglieder.“

 


 

Neben dem tariflichen Beendigungsverbot vor dem 31.12.2012 und dem Anspruch auf volle Bezahlung bis dahin konnte die IG Metall eine sehr gut dotierte TransferPLUS-Lösung durchsetzen. Die Beschäftigten erhalten neben einer sehr guten Abfindung von einem Monatsentgelt pro Beschäftigungsjahr zur Vermeidung betriebsbedingter Kündigungen das Angebot des Übergangs für 12 Monate ab dem 01.01.2013 in die gut ausgestattete und nach IG Metall-Qualitätsrichtlinien geführte Transfergesellschaft. Dort werden sie bei Fortzahlung von ca. 80 % des Nettoentgeltes bei der Suche nach neuer Arbeit unterstützt.

 

„Wir konnten damit erreichen, dass vor 2014 unsere Kolleginnen und Kollegen nicht arbeitslos werden. So habe ich ein lachendes und ein weinendes Auge. Ich freue mich über das sehr gute Verhandlungsergebnis für den IG Metall-Sozialtarifvertrag. Insbesondere auch fortschrittliche Einbeziehung der Leiharbeitskräfte, die tarifliche Vereinbarung der Equal-Pay-Regelung und die Bonus-Regelungen für die IG Metall-Mitglieder. Trotzdem fällt uns als Belegschaft, die wir oft über Jahrzehnte dort gearbeitet haben, verdammt schwer, zu akzeptieren, dass mit dem Verhandlungsergebnis auch fest steht, dass die Betriebe in Rellingen und Norderstedt für höhere Profite vom Autoliv-Konzern geschlossen werden.“ Norma-Betriebsratsvorsitzende Birgit Jeksties ist die Anspannung der harten Verhandlungen noch anzumerken und ihr stockt der Atem.

 

„Die IG Metall konnte die Einbeziehung der langjährigen Leiharbeitskräfte, die länger als 4 Jahre bei Norma/Autoliv tätig sind, in den IG Metall-Sozialtarifvertrag durchsetzen. Dies ist eine Besservereinbarung zu der ansonsten rechtlosen Situation der LeiharbeitnehmerInnen. Da Norma und Autoliv diese auch bis Ende 2012 einsetzen will und muss, wurde durch den IG Metall-Sozialtarifvertrag vereinbart, dass sie ab sofort auch „Equal-Pay“ , also gleiches Entgelt wie die Norma-Beschäftigten erhalten. Dies ist gerade angesichts des politischen Skandals der Ausnutzung der rechtlosen Situation in der Leiharbeit ein schöner Erfolg in einer schwierigen Situation“ berichtet IG Metall-Verhandlungsführer Uwe Zabel zufriedenDas wäre ohne die massive Beteiligung auch der Leiharbeitskräfte an den Warnstreiks und Aktionen nicht möglich gewesen. Mit der Einbeziehung der Leiharbeitskräfte, die tarifliche Equal-Pay-Regelung und den Bonus für IG Metall-Mitglieder schreiben wir auch ein Stück fortschrittliche Tarifgeschichte für faire und sichere Arbeitsbedingungen.“

 

Heute ab 13:00 Uhr werden die Mitglieder der betrieblichen Tarifkommission der IG Metall, der Betriebsrat und die IG Metall Mitglieder über das Verhandlungsergebnis informiert. Am morgigen Dienstag informieren IG Metall, Geschäftsführung und Betriebsrat auf der Betriebsversammlung gemeinsam die Belegschaft. Die IG Metall wird am Mittwoch und Donnerstag eine Urabstimmung unter ihren Mitgliedern (die Betriebe sind über 80 % gewerkschaftlich organisiert) über die Annahme des Verhandlungsergebnisses zur Beendigung des Arbeitskampfes durchführen.

 

„Wir fordern unsere Mitglieder auf, mit JA für die Annahme zu stimmen und den Arbeitskampf zu beenden. Gleichzeitig danke ich allen IG Metall-Mitgliedern, die sich aktiv an dem Arbeitskampf beteiligt haben. Ohne Euch wäre dieses Ergebnis nicht möglich gewesen!“ ist IG Metall-Bevollmächtigter Uwe Zabel besonders stolz über die Solidarität und Aktivitäten der Gewerkschaftsbasis in den letzten Wochen.Ich werde mit JA für die Annahme stimmen, da ich meine, wir können auch mit einem Arbeitskampf nicht mehr erreichen. erklärte dazu Norma-Betriebsratsvorsitzende Birgit Jeksties

 

Nach dem Ergebnis der Urabstimmung werden IG Metall, Norma/Autoliv und Betriebsrat die endgültigen Details bis zum 30.09.2011 regeln, so dass der IG Metall-Sozialtarifvertrag am 01.10.2011 in Kraft treten kann.

 

Presseinfotelefon IG Metall: 0170/33 33 375 – Uwe Zabel

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